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Microsoft-Anruf Betrug erkennen

Am Telefon meldet sich angeblich Microsoft, der Computer sei infiziert. Hier erfahren Sie in Ruhe, wie dieser Betrug ablaeuft und wie Sie sich davor schuetzen.

📖 Lesezeit: ca. 12 Minuten👤 Friedhelm Deussner
Senior erkennt einen falschen Microsoft-Anruf am Computer
Ältere Hände reagieren vorsichtig auf einen falschen Support-Anruf

Das Telefon klingelt, und am anderen Ende meldet sich eine freundliche Stimme im Namen von Microsoft. Der Computer sei infiziert, ein Virus wurde angeblich entdeckt, oder das Konto stehe kurz vor der Sperrung. Wer diesen Anruf noch nie bekommen hat, hat vermutlich einfach Glueck gehabt, denn diese Masche gehoert seit Jahren zu den haeufigsten Betrugsversuchen am Telefon.

Frau Berger aus Krefeld hat genau das vor einigen Monaten erlebt. Ihr Computer lief an diesem Tag etwas langsamer als sonst, und kurz darauf rief jemand an, der sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgab und genau dieses Problem ansprach. Der Zufall wirkte fuer sie zunaechst wie ein Beweis, dass der Anruf echt sein musste. Tatsaechlich ist es genau umgekehrt: Die Betrueger wissen gar nichts ueber den einzelnen Computer, sie rufen einfach in grosser Zahl an und treffen damit fast immer irgendein reales, kleines Problem.

Dieser Beitrag erklaert, wie der Betrug ueblicherweise ablaeuft, welche Saetze typisch sind und warum eine Fernwartungssoftware auf Zuruf so gefaehrlich werden kann. Ausserdem erfahren Sie, was zu tun ist, wenn bereits jemand Zugriff auf Ihren Computer hatte, und wie Angehoerige dabei helfen koennen.

Wichtiger Grundsatz

Microsoft ruft niemals unaufgefordert an, um vor einem Virus zu warnen. Ein solcher Anruf ist so gut wie immer ein Betrugsversuch.

Wie laeuft der Betrug ab?

Der Ablauf folgt fast immer demselben Muster, auch wenn sich Details unterscheiden koennen. Am Anfang steht ein Anruf, oft von einer Nummer, die auf den ersten Blick seriös wirkt oder gar nicht erst angezeigt wird. Die Person am anderen Ende gibt sich als Mitarbeiter von Microsoft oder einer angeblichen Partnerfirma aus und behauptet, es liege eine dringende technische Stoerung vor.

Um Druck aufzubauen, wird oft sofort eine bestimmte Aktion verlangt: den Computer einschalten, eine Webseite aufrufen oder eine bestimmte Tastenkombination druecken. Diese Tastenkombination zeigt dann harmlose Systemmeldungen an, die als Beweis fuer einen angeblichen Fehler ausgegeben werden. Fuer jemanden, der sich mit solchen Meldungen nicht taeglich beschaeftigt, klingt das durchaus beunruhigend, dabei handelt es sich meist um voellig normale, technische Standardanzeigen.

Im naechsten Schritt soll eine Fernwartungssoftware installiert werden, mit der die Betrueger angeblich das Problem beheben wollen. Sobald diese Software laeuft, haben sie tatsaechlich vollen Zugriff auf den Computer, so als sassen sie selbst davor. Von dort aus geht es meist schnell weiter zu Kontodaten, angeblichen Sicherheitsgebuehren oder direkt zum Online-Banking.

Manchmal beginnt der Kontakt auch andersherum: Auf dem Bildschirm erscheint ploetzlich eine grosse, rot blinkende Warnung mit einer Telefonnummer, die man angeblich sofort anrufen soll. Auch das ist reine Einschuechterung. Ein Computer kann sich nicht selbst diagnostizieren und dann eine Support-Nummer einblenden, das ist technisch schlicht nicht vorgesehen.

Typische Saetze der Betrueger

Bestimmte Formulierungen tauchen bei dieser Betrugsmasche immer wieder auf, fast wie ein Drehbuch. Wer diese Saetze einmal gehoert hat, erkennt sie beim naechsten Mal deutlich schneller.

„Wir haben einen Virus auf Ihrem Computer entdeckt“

Microsoft ueberwacht keine privaten Geraete aus der Ferne und kann so etwas gar nicht wissen.

Klarer Hinweis auf Betrug

„Ihr Konto wird in wenigen Minuten gesperrt“

Zeitdruck ist ein klassisches Mittel, damit Betroffene nicht nachdenken oder nachfragen koennen.

Ruhig bleiben, auflegen

„Druecken Sie diese Tastenkombination“

Damit werden normale Systemfenster geoeffnet, die als Fehlerbeweis vorgefuehrt werden.

Keine Anweisungen befolgen

„Wir muessen jetzt eine Software installieren“

Das ist der Moment, in dem tatsaechlich Zugriff auf den Computer entstehen wuerde.

Niemals zustimmen

Warum Fernwartungsprogramme gefaehrlich sind

Fernwartungssoftware ist an sich nichts Boeses. Der eigene Enkel oder eine vertraute Fachperson kann damit zum Beispiel helfen, ein Problem aus der Ferne zu loesen, wenn man vorher gemeinsam verabredet hat, dass genau das passieren soll. Der entscheidende Unterschied liegt in der Frage, wer den Zugriff anfordert und warum.

Bei einem Betrugsanruf verlangen fremde, unbekannte Personen genau diesen Zugriff, oft schon nach wenigen Minuten Gespraech. Sobald die Software installiert und die Verbindung hergestellt ist, koennen die Betrueger den Bildschirm sehen, Mauszeiger und Tastatur bedienen, Dateien oeffnen und Programme installieren. Fuer den Betroffenen sieht es teilweise so aus, als wuerde der Computer von selbst reagieren, dabei sitzt am anderen Ende jemand, der ganz gezielt handelt.

Herr Wagner aus Aachen erzaehlte spaeter, wie er live beobachten musste, wie sich der Mauszeiger auf seinem eigenen Bildschirm bewegte, ohne dass er selbst etwas tat. Genau dieser Moment sollte als Alarmsignal verstanden werden: Sobald ein Bildschirm sich scheinbar von selbst bewegt, sitzt dort jemand anderes am Steuer. In dieser Situation zaehlt vor allem eines: die Internetverbindung so schnell wie moeglich trennen, notfalls durch Ausschalten von WLAN-Router oder Computer.

Merksatz

Niemand von Microsoft ruft an und verlangt spontan Fernzugriff auf Ihren Computer. Ein solcher Wunsch ist praktisch immer Betrug.

Was Microsoft am Telefon nicht verlangt

Ein einfacher Massstab hilft bei der Einordnung: Microsoft ruft grundsaetzlich nicht unaufgefordert an, um vor einem Virus zu warnen oder technische Probleme zu melden. Genauso wenig fordert das Unternehmen am Telefon persoenliche Daten, Passwoerter, Kreditkarteninformationen oder Zahlungen per Gutschein oder Ueberweisung an.

Auch der Wunsch nach sofortigem Fernzugriff auf den eigenen Computer gehoert nicht zu den ueblichen Kontaktwegen eines echten Software-Unternehmens. Wenn tatsaechlich ein technisches Problem vorliegt, meldet es sich in aller Regel ueber die eigenen Systemmeldungen, ueber die offizielle Webseite oder ueber einen Support-Kontakt, den man selbst aktiv gesucht hat, nicht umgekehrt.

Diese Grundregel gilt uebrigens nicht nur fuer Microsoft, sondern in aehnlicher Form fuer die meisten grossen Technikanbieter. Wer unsicher ist, ob eine bestimmte Nachricht oder ein Anruf wirklich von einem bekannten Unternehmen stammt, findet weitere Hinweise in unserem Beitrag Betrugsnachrichten erkennen. Aehnlich funktioniert uebrigens auch der sogenannte Enkeltrick am Telefon, bei dem ebenfalls Druck und Vertrauen ausgenutzt werden, allerdings mit einer ganz anderen Geschichte.

Zum Verstaendnis

Stellen Sie sich vor, ein Handwerker klingelt unangemeldet und behauptet, Ihr Dach sei undicht, obwohl niemand ihn gerufen hat. Genauso funktioniert der Microsoft-Anruf: Ein angebliches Problem wird erfunden, um Zugang zu bekommen, den man sonst nie gewaehren wuerde.

Sofortregel: Auflegen, nichts installieren

Bei jedem unerwarteten Anruf, der sich als technischer Support ausgibt, gilt eine einfache Regel: auflegen. Es muss keine Hoeflichkeit gewahrt werden, kein Argument entkraeftet und keine Begruendung geliefert werden. Ein einfaches Auflegen beendet die Situation sofort und zuverlaessig.

Dasselbe gilt fuer Warnmeldungen auf dem Bildschirm mit einer Telefonnummer. Statt dort anzurufen, hilft es, den Browser zu schliessen oder den Computer neu zu starten. Wer unsicher ist, ob sich die Meldung wirklich schliessen laesst, kann den Computer auch einfach ganz ausschalten und nach ein paar Minuten wieder hochfahren.

Tipp fuer den Ernstfall

Legen Sie sich innerlich einen festen Satz zurecht, etwa: „Ich rufe bei Bedarf selbst zurueck“, und legen Sie danach auf. Ein vorbereiteter Satz nimmt in der Situation selbst viel von der Unsicherheit.

Wenn der Betrueger schon auf dem Computer war

Manchmal ist es bereits so weit gekommen, dass eine Fernwartungssoftware installiert wurde, bevor die Situation als Betrug erkannt wurde. Das ist unangenehm, aber kein Grund zur Verzweiflung. Wichtig ist jetzt vor allem schnelles, aber ruhiges Handeln.

Als Erstes sollte die Internetverbindung getrennt werden, entweder durch Ausschalten des WLAN-Routers oder durch Trennen des Netzwerkkabels. Danach wird die installierte Fernwartungssoftware deinstalliert, sofern der Computer noch normal bedienbar ist. Bei groesserer Unsicherheit kann auch eine vertraute Fachperson oder ein Computergeschaeft vor Ort helfen, den Rechner grundlegend zu pruefen.

Im naechsten Schritt sollten alle Passwoerter geaendert werden, die auf diesem Computer verwendet wurden, am besten von einem anderen, sauberen Geraet aus. Besonders wichtig sind dabei das E-Mail-Konto und das Online-Banking, da darueber oft weitere Konten wiederhergestellt werden koennen. Eine Anleitung dazu finden Sie in unserem Beitrag Sichere Passwoerter erstellen.

1
Internetverbindung trennen

Router ausschalten oder Netzwerkkabel ziehen, damit kein weiterer Zugriff mehr moeglich ist.

2
Fernwartungssoftware entfernen

Das Programm ueber die Systemeinstellungen deinstallieren, im Zweifel mit Unterstuetzung einer Fachperson.

3
Passwoerter aendern

Von einem anderen Geraet aus, beginnend mit E-Mail-Konto und Online-Banking.

4
Bank informieren

Falls Zahlungsdaten sichtbar waren oder eine Zahlung bereits erfolgt ist, umgehend die Bank kontaktieren und gegebenenfalls Karten sperren lassen. Je frueher dies geschieht, desto besser stehen die Chancen, eine Zahlung noch zu stoppen.

5
Computer pruefen lassen

Ein vollstaendiger Virenscan oder eine Kontrolle durch eine Fachperson gibt Sicherheit, dass keine unerwuenschten Programme zurueckgeblieben sind.

6
Anzeige erstatten

Bei finanziellem Schaden lohnt sich eine Anzeige bei der Polizei, auch wenn eine Aufklaerung nicht garantiert ist.

Bank, Passwoerter und Geraet im Blick behalten

Auch wenn kein Geld geflossen ist, lohnt sich in den Tagen nach einem solchen Vorfall ein zweiter Blick auf die eigenen Konten. Ungewoehnliche Abbuchungen, unbekannte Anmeldungen oder veraenderte Kontoeinstellungen koennen ein spaetes Zeichen dafuer sein, dass doch etwas passiert ist.

Bei der Gelegenheit ist es sinnvoll, gleich generell zu pruefen, ob wichtige Konten ausreichend abgesichert sind. Ein zusaetzlicher Bestaetigungsschritt beim Einloggen, die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung, erschwert es Betruegern erheblich, ein Konto zu uebernehmen, selbst wenn das Passwort einmal bekannt geworden ist. Mehr dazu und zu weiteren Schutzmassnahmen finden Sie in unserem Beitrag Datenschutz-Einstellungen nutzen.

Regelmaessige Updates helfen zusaetzlich

Ein aktuell gehaltener Computer schliesst bekannte Sicherheitsluecken automatisch. Wie das funktioniert, erklaeren wir in unserem Beitrag Updates installieren.

Angehoerige oder Fachperson einbeziehen

Ueber einen solchen Anruf zu sprechen, faellt manchen Menschen schwer, aus Scham oder aus der Sorge, als leichtglaeubig zu gelten. Genau das Gegenteil ist der Fall: Diese Betrugsmasche ist so professionell aufgebaut, dass sie taeglich Menschen jeden Alters und jeder Bildung trifft, nicht nur aeltere Menschen.

Es hilft sehr, vorab mit Kindern, Enkeln oder einer vertrauten Person zu besprechen, wie man in einer solchen Situation reagiert. Manche Familien verabreden feste Regeln, etwa dass niemals allein am Telefon einer fremden Person Zugriff auf den Computer gewaehrt wird, sondern immer erst Ruecksprache gehalten wird. Diese kleine Verabredung nimmt im Ernstfall viel Druck heraus, weil man sich nicht allein entscheiden muss.

Auch nach einem bereits geschehenen Vorfall ist es sinnvoll, jemanden aus der Familie oder eine Fachperson beim Computerhaendler vor Ort hinzuzuziehen. Zwei Augenpaare sehen oft mehr als eines, gerade wenn es darum geht, ob ein Geraet wirklich wieder sauber laeuft.

Vorsicht vor fremdem Zugriff

Unsicher am Computer? Erst jemanden aus der Familie oder eine vertraute Fachperson fragen, bevor fremde Personen Zugriff bekommen.

Haeufige Fehler vermeiden

Aus Hoeflichkeit weiter zuhoerenDirekt auflegen, keine Erklaerung notwendig
Anzeige auf dem Bildschirm anrufenNummer niemals anrufen, Browser schliessen oder Geraet neu starten
Fernwartungssoftware installierenNur installieren, wenn selbst und bewusst ein bekannter Support kontaktiert wurde
Nach Zugriff nichts unternehmenSofort Internet trennen, Passwoerter aendern, Bank informieren
Vorfall verschweigenAngehoerige informieren, damit rechtzeitig geholfen werden kann
Zahlung per Gutschein leistenKein seriöses Unternehmen verlangt Zahlung in Gutscheinkarten

Checkliste bei einem verdaechtigen Anruf

  • Wurde der Anruf unerwartet und ohne eigene Anfrage entgegengenommen?
  • Wird ein Virus oder eine Kontosperrung behauptet, ohne dass Sie selbst ein Problem bemerkt haben?
  • Wird Zeitdruck aufgebaut oder mit Konsequenzen gedroht?
  • Wird um Fernzugriff, Passwoerter oder eine Zahlung gebeten?

Fazit

Der falsche Microsoft-Anruf lebt von Ueberraschung und Zeitdruck. Wer weiss, dass echte Support-Anrufe so nicht ablaufen, kann gelassen auflegen und muss sich auf kein Gespraech einlassen. Sollte doch schon Zugriff bestanden haben, zaehlt vor allem schnelles, ruhiges Handeln: Internet trennen, Passwoerter aendern, Bank informieren.

  • Microsoft ruft nicht unaufgefordert an, um vor einem Virus zu warnen.
  • Fernzugriff und Zahlungen am Telefon sind immer ein Warnsignal.
  • Nach einem Vorfall zaehlen schnelle Schritte mehr als Selbstvorwuerfe.

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Haeufig gestellte Fragen

Ruft Microsoft mich wegen Viren an?
Nein. Unerwartete Anrufe mit angeblicher Viruswarnung sollten immer als Betrugsversuch behandelt werden. Microsoft meldet sich nicht von sich aus per Telefon wegen technischer Probleme.
Was mache ich, wenn ich eine Fernwartungs-App installiert habe?
Trennen Sie sofort die Internetverbindung, aendern Sie anschliessend von einem anderen Geraet aus Ihre Passwoerter, kontaktieren Sie im Zweifel Ihre Bank und lassen Sie den Computer von einer Fachperson pruefen.
Soll ich mit den Anrufern diskutieren?
Nein. Auflegen ist immer die bessere Wahl. Eine Diskussion bringt nichts und kostet nur Zeit und Nerven.
Woran erkenne ich, dass eine Warnmeldung auf dem Bildschirm gefaelscht ist?
Echte Systemmeldungen enthalten in der Regel keine Telefonnummer, zu der man sofort anrufen soll. Eine solche Aufforderung ist ein starkes Warnzeichen.
Kann mir durch einen solchen Anruf allein schon etwas passieren?
Allein durch das Telefonieren nicht. Gefaehrlich wird es erst, wenn Software installiert, Daten genannt oder eine Zahlung veranlasst wird.
FD
Friedhelm Deussner Gruender von Digital ab 60

Friedhelm erklaert digitale Themen verstaendlich und ohne Fachchinesisch, speziell fuer Menschen ab 60.

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