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Betrugsanrufe erkennen: falsche Polizei, Microsoft-Anrufe und Enkeltrick

Betrüger geben sich als Polizei, Bank oder Angehörige aus und setzen Sie unter Druck. Ein seriöser Anrufer verlangt aber keine geheimen Daten am Telefon. So erkennen Sie die häufigsten Maschen.

📖 Lesezeit: ca. 14 Minuten👤 Friedhelm Deussner
Ältere Person erkennt einen verdächtigen Anruf am Smartphone und bleibt ruhig
Senior prüft einen verdächtigen Anruf auf dem Smartphone und schützt sich vor Telefonbetrug

Viele Betrugsversuche passieren nicht nur per E-Mail oder WhatsApp, sondern auch am Telefon. Betrüger geben sich als Polizei, Bank, Microsoft-Mitarbeiter, Angehörige oder Behörden aus. Oft versuchen sie, Angst zu machen oder schnellen Druck aufzubauen.

Wichtiger Grundsatz

Ein seriöser Anrufer setzt Sie nicht unter Druck und verlangt keine geheimen Daten am Telefon.

Warum Betrugsanrufe so gefährlich wirken

Der Anruf kommt überraschend, die Stimme wirkt freundlich oder sehr bestimmt, der Anrufer behauptet, es sei dringend, und es geht angeblich um Sicherheit, Geld oder Familie. Man bekommt dabei kaum Zeit zum Nachdenken, und genau das ist Teil der Strategie.

Zum besseren Verständnis

Betrüger nutzen nicht Ihre Technik aus, sondern Ihre Hilfsbereitschaft, Ihre Sorge oder Ihr Vertrauen.

Die wichtigsten Betrugsmaschen

Die folgenden fünf Maschen begegnen Senioren in Deutschland besonders häufig. Die Geschichten unterscheiden sich, aber das Grundmuster ist fast immer dasselbe: Druck, Angst und Geld.

Masche 1: Falsche Polizei

Der Anrufer behauptet, von der Polizei zu sein. Manchmal wird erzählt, in der Nähe seien Einbrecher unterwegs oder Ihr Geld sei nicht mehr sicher. Dann soll man Bargeld, Schmuck oder Bankdaten herausgeben.

„Bei Ihnen in der Nähe wurde eingebrochen.“ „Ihr Geld ist auf der Bank nicht mehr sicher.“ „Sprechen Sie mit niemandem darüber.“
Warnsignal

Die echte Polizei verlangt am Telefon keine Übergabe von Geld, Schmuck oder Bankkarten.

Empfehlung

Auflegen und selbst die bekannte Telefonnummer der örtlichen Polizeidienststelle wählen, nicht die Rückruftaste nutzen.

Masche 2: Microsoft-Anruf oder angeblicher Computer-Service

Der Anrufer behauptet, Ihr Computer habe ein Problem, sei gehackt oder mit Viren befallen. Dann sollen Sie ein Programm installieren oder dem Anrufer Zugriff auf Ihren Computer geben.

„Ihr Computer sendet Fehlermeldungen.“ „Installieren Sie bitte dieses Programm.“
Warnsignal

Microsoft oder seriöse Computerfirmen rufen nicht ungefragt an, um Ihren Computer zu reparieren.

Empfehlung

Niemals Fernzugriff erlauben, keine Programme installieren, auflegen.

Masche 3: Enkeltrick oder „neue Nummer“

Hier geben sich Betrüger als Kind, Enkel oder nahestehende Person aus. Früher oft am Telefon, heute auch über WhatsApp. Die Geschichte ist meist emotional: ein Unfall, ein kaputtes Handy, eine Rechnung, ein Notfall.

„Rate mal, wer dran ist.“ „Ich habe eine neue Nummer.“ „Bitte erzähl es niemandem.“
Warnsignal

Geld soll schnell überwiesen oder übergeben werden, gleichzeitig soll man mit niemandem darüber sprechen.

Empfehlung

Auflegen oder nicht weiter schreiben. Die bekannte alte Nummer der Person anrufen oder einen anderen Angehörigen fragen.

Masche 4: Schockanruf

Beim Schockanruf wird behauptet, ein Angehöriger habe einen Unfall verursacht oder sitze in Schwierigkeiten. Ziel ist, dass man aus Angst sofort Geld überweist oder übergibt.

„Ihr Sohn hatte einen schweren Unfall.“ „Es muss sofort eine Kaution bezahlt werden.“
Warnsignal

Extreme Angst, Zeitdruck und eine Geldforderung direkt am Telefon.

Empfehlung

Sofort auflegen. Angehörige direkt über bekannte Nummern kontaktieren. Bei Unsicherheit die Polizei anrufen.

Masche 5: Gewinnspiel- oder Vertragsbetrug

Der Anrufer behauptet, man habe gewonnen, müsse aber vorher Gebühren zahlen oder persönliche Daten bestätigen. Manchmal geht es auch um angebliche Verträge, Abos oder Kündigungen.

„Sie haben gewonnen.“ „Wir brauchen nur Ihre Bankdaten.“
Warnsignal

Ein echter Gewinn verlangt keine Vorabzahlung.

Empfehlung

Keine Bankdaten nennen, keine Verträge am Telefon bestätigen, auflegen.

Die wichtigsten Warnsignale

Auch wenn sich die Geschichten unterscheiden, wiederholen sich bestimmte Muster bei fast jedem Betrugsanruf.

Der Anrufer setzt Sie unter Zeitdruck
Es geht plötzlich um Geld, Schmuck, Bankdaten oder Passwörter
Sie sollen mit niemandem darüber sprechen
Sie sollen eine App installieren oder Computerzugriff erlauben
Sie sollen Geld übergeben oder überweisen
Der Anrufer macht gezielt Angst
Die Nummer wirkt unbekannt oder unterdrückt
Der Anrufer wird unfreundlich, wenn Sie nachfragen
Merksatz

Wenn ein Anruf Druck macht, ist Auflegen erlaubt.

So reagieren Sie richtig am Telefon

1
Ruhig bleiben
2
Keine persönlichen Daten nennen
3
Keine Bankdaten, PINs, TANs oder Passwörter weitergeben
4
Keine Fernwartung am Computer erlauben
5
Nicht „Ja“ sagen

Wenn der Anruf merkwürdig wirkt, vermeiden Sie eindeutige Zustimmungen.

6
Gespräch beenden
7
Selbst die bekannte Nummer wählen

Rufen Sie danach selbst bei Bank, Polizei oder Angehörigen an.

Sehr wichtig

Sie müssen am Telefon nichts entscheiden. Sie dürfen jederzeit auflegen.

Was tun, wenn Sie auf einen Betrugsanruf reagiert haben?

Schämen Sie sich nicht. Betrüger arbeiten gezielt mit Druck und Angst. Wichtig ist nur, jetzt schnell die richtigen Schritte zu gehen.

1
Ruhe bewahren
2
Bank oder Zahlungsanbieter kontaktieren

Sofort, wenn Geld betroffen ist.

3
Internetverbindung trennen

Falls Computerzugriff erlaubt wurde, dann Hilfe holen.

4
Passwörter ändern

Besonders bei E-Mail, Online-Banking und wichtigen Konten.

5
Karte sperren lassen

Wenn Bank- oder Kreditkartendaten genannt wurden.

6
Details notieren

Belege, Telefonnummern, Uhrzeit und Gesprächsinhalte aufschreiben.

7
Anzeige bei der Polizei erstatten
8
Angehörige informieren

Damit niemand weiteres betroffen ist.

Mehr zum sicheren Umgang mit Passwörtern lesen Sie in unserem Beitrag sichere Passwörter erstellen.

Kurze Checkliste: Ist der Anruf verdächtig?

Stellen Sie sich diese Fragen

  • Kenne ich die Person wirklich?
  • Wird Geld verlangt?
  • Soll ich sofort handeln?
  • Soll ich Daten nennen?
  • Soll ich etwas geheim halten?
  • Soll ich eine App installieren?
  • Soll ich meinen Computer freigeben?
  • Werde ich unter Druck gesetzt?
Abschluss

Wenn Sie eine dieser Fragen mit Ja beantworten, legen Sie lieber auf und prüfen Sie den Fall in Ruhe.

Betrug findet nicht nur am Telefon statt

Die gleichen Maschen wie der Enkeltrick laufen heute oft auch über WhatsApp, etwa mit einer angeblich neuen Nummer. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag WhatsApp sicher nutzen. Auch beim Online-Shopping gibt es ähnliche Druckmaschen, etwa künstliche Verknappung. Mehr dazu in unserem Beitrag Fake-Shops erkennen.

Fazit

Betrugsanrufe wirken oft sehr professionell und nutzen gezielt Angst, Zeitdruck und Vertrauen aus. Die gute Nachricht: Wenn Sie wissen, dass Geld, Geheimhaltung und Druck die typischen Warnsignale sind, fällt es deutlich leichter, ruhig zu bleiben und im Zweifel einfach aufzulegen.

Das könnte Sie auch interessieren

  1. Lesen Sie weitere Maschen unter Online-Betrug erkennen.
  2. Erfahren Sie, wie Sie Fake-Shops erkennen.
  3. Prüfen Sie auch Ihre Datenschutz-Einstellungen.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich einen Betrugsanruf?
An Zeitdruck, Geldforderungen, Fragen nach persönlichen Daten, ungewöhnlichen Geschichten und der Bitte, mit niemandem darüber zu sprechen.
Ruft die Polizei an und verlangt Geld oder Schmuck?
Nein. Wenn jemand am Telefon Geld, Schmuck, Bankkarten oder PINs verlangt, sollten Sie auflegen und selbst die Polizei über eine bekannte Nummer kontaktieren.
Ruft Microsoft an, wenn mein Computer ein Problem hat?
Nein. Unerwartete Anrufe angeblicher Microsoft-Mitarbeiter sind ein starkes Warnzeichen. Geben Sie niemals Fernzugriff auf Ihren Computer.
Was mache ich, wenn jemand behauptet, ein Angehöriger brauche Geld?
Legen Sie auf und rufen Sie die Person über die bekannte Nummer an. Fragen Sie zusätzlich einen anderen Angehörigen. Überweisen Sie nicht sofort.
Ist Auflegen unhöflich?
Nein. Wenn ein Anruf verdächtig ist, ist Auflegen eine sinnvolle Schutzmaßnahme.
FD
Friedhelm Deussner Gründer von Digital ab 60

Friedhelm erklärt digitale Themen verständlich und ohne Fachchinesisch, speziell für Menschen ab 60.

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