Was bedeutet VPN?
In der Werbung klingt es fast wie ein Wundermittel: mit VPN angeblich unsichtbar im Internet unterwegs. Hier erfahren Sie in Ruhe, was ein VPN wirklich tut und wo seine Grenzen liegen.
Drei Buchstaben, die einem inzwischen überall begegnen: VPN. In Zeitschriften, in Werbespots vor dem Nachrichtenclip, auf Werbebannern beim Surfen. Manchmal klingt es, als wäre man ohne VPN im Internet schutzlos unterwegs. Manchmal klingt es, als würde ein VPN einen komplett unsichtbar machen. Beides stimmt so nicht ganz.
Frau Berger hat sich das Kürzel neulich auf ihrem Tablet angeschaut, nachdem eine Werbeeinblendung ihr versprochen hatte, mit einem Klick „komplett anonym“ zu werden. Sie war sich unsicher, ob sie das wirklich braucht, und ob sie damit vielleicht sogar etwas falsch machen könnte. Genau dieser Unsicherheit widmet sich dieser Beitrag: nicht mit Verkaufsargumenten, sondern mit einer ruhigen, nachvollziehbaren Erklärung.
Wer die Grundlagen des Internets ohnehin noch etwas unsicher findet, kann vorab auch einen Blick in unseren Beitrag Was bedeutet HTTPS? werfen. Beide Themen hängen lose zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Ein VPN kann die Verbindung zum Internet zusätzlich schützen. Es schaut sich aber nicht an, was Sie eingeben oder anklicken, und bewahrt Sie deshalb nicht vor jedem Betrug.
Was bedeutet VPN?
VPN steht für „Virtual Private Network“, auf Deutsch etwa „virtuelles privates Netzwerk“. Dahinter steckt eine Technik, die Ihre Internetverbindung nicht direkt zur besuchten Internetseite schickt, sondern zunächst über einen zwischengeschalteten Server des VPN-Anbieters leitet.
Diese Verbindung zwischen Ihrem Gerät und diesem Server ist dabei verschlüsselt. Wer den Datenverkehr unterwegs abfangen wollte, etwa in einem fremden WLAN, sähe nur verschlüsselte Daten und nicht den Inhalt. Erst der VPN-Server öffnet die eigentliche Verbindung zur gewünschten Internetseite weiter.
Für die aufgerufene Internetseite sieht es anschließend so aus, als würde die Anfrage vom VPN-Server kommen, nicht direkt von Ihrem Zuhause. Das kann in manchen Situationen sinnvoll sein. Es ist aber, das sei gleich erwähnt, kein Schutzschild gegen alle Gefahren im Internet.
Ein Bild zum Verständnis
Stellen Sie sich Ihre normale Internetverbindung wie eine offene Landstraße vor: Andere könnten theoretisch sehen, wer da unterwegs ist. Ein VPN gleicht eher einem verglasten Tunnel innerhalb dieser Strecke. Von außen sieht niemand mehr hinein, aber am Ende des Tunnels steigen Sie trotzdem ganz normal wieder aus und gehen zu Fuß weiter, so wie vorher auch.
Dieses Bild macht auch deutlich, wo die Grenze liegt. Der Tunnel schützt die Strecke. Was Sie am Ziel tun, ob Sie also auf einer echten oder einer gefälschten Internetseite landen und dort etwas eingeben, entscheidet der Tunnel nicht mit.
Was kann ein VPN wirklich?
Ein VPN verschlüsselt die Verbindung zwischen Ihrem Gerät und dem VPN-Server. Das erschwert es Dritten im selben Netzwerk, etwa in einem öffentlichen WLAN, Ihren Datenverkehr mitzulesen. Genau darin liegt der eigentliche Nutzen.
Außerdem verbirgt ein VPN Ihre tatsächliche IP-Adresse gegenüber der besuchten Internetseite. Statt Ihrer eigenen Adresse sieht die Seite die Adresse des VPN-Servers. Manche nutzen das auch, um Inhalte zu sehen, die eigentlich nur in einem anderen Land verfügbar sind, weil der VPN-Server dort steht. Das ist technisch möglich, kann aber je nach Anbieter gegen dessen Nutzungsbedingungen verstoßen.
Verschlüsselte Verbindung
Der Datenverkehr zwischen Gerät und VPN-Server wird verschlüsselt übertragen.
Vor allem in fremden Netzwerken hilfreichEigene IP-Adresse verborgen
Internetseiten sehen die Adresse des VPN-Servers, nicht Ihre eigene.
Erschwert eine direkte OrtungZugriff aus fremden Netzwerken
Im Hotel-WLAN oder Café kann ein VPN die Verbindung zusätzlich absichern.
Ersetzt keine Vorsicht bei EingabenAndere Länder simulieren
Der VPN-Server kann in einem anderen Land liegen, wodurch die Seite dieses Land als Standort sieht.
Nicht bei jedem Anbieter erlaubtWas ein VPN nicht kann
Hier liegt der Punkt, an dem viele Werbeversprechen über das Ziel hinausschießen. Ein VPN prüft nicht, ob eine Internetseite echt oder gefälscht ist. Wenn Sie auf einen Betrugslink klicken und dort Ihre Zugangsdaten eingeben, macht ein eingeschaltetes VPN daraus keine sichere Handlung. Der verschlüsselte Tunnel schafft die Daten trotzdem zuverlässig bis zur Betrugsseite.
Ein VPN schützt außerdem nicht vor Viren oder Schadprogrammen, die Sie sich versehentlich herunterladen. Es ersetzt kein aktuelles Betriebssystem und keine Vorsicht beim Öffnen von Anhängen. Und es macht Sie, anders als es manche Werbung suggeriert, auch nicht vollständig anonym: Der VPN-Anbieter selbst sieht in der Regel weiterhin, welche Verbindungen über seine Server laufen.
Wer glaubt, mit einem VPN sei man grundsätzlich auf der sicheren Seite, verlässt sich auf ein falsches Gefühl. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen bleiben weiterhin sichere Passwörter, regelmäßige Updates und ein wacher Blick auf verdächtige Links. Mehr dazu in unserem Beitrag Sichere Passwörter erstellen.
Ein VPN verschlüsselt die Strecke. Es prüft nicht, wohin die Reise geht. Betrugsseiten, gefälschte Absender und riskante Klicks bleiben trotz VPN gefährlich.
Schützt VPN vor Betrug?
Diese Frage hört man oft, und die ehrliche Antwort lautet: kaum. Betrugsversuche funktionieren meist über gefälschte E-Mails, gefälschte Internetseiten oder Anrufe, die Vertrauen erschleichen wollen. Ein VPN hat auf keinen dieser Wege einen nennenswerten Einfluss, weil es sich ausschließlich um die Verbindung selbst kümmert.
Wenn Herr Wagner beispielsweise eine E-Mail bekommt, die angeblich von seiner Bank stammt, und dort auf einen Link klickt, landet er bei aktivem VPN genauso auf der gefälschten Seite wie ohne. Das VPN transportiert die Anfrage nur verschlüsselt dorthin, mehr nicht. Schutz vor solchen Maschen bieten eher Aufmerksamkeit und Wissen über typische Betrugsmuster, wie wir sie in unserem Beitrag Phishing erkennen beschreiben.
Genau deshalb sollte ein VPN nicht als Ersatz für gesunde Skepsis verstanden werden, sondern höchstens als eine zusätzliche Absicherung der reinen Verbindung.
VPN im öffentlichen WLAN
Hier zeigt sich der eigentliche Nutzen eines VPN am deutlichsten. In einem öffentlichen WLAN, etwa im Hotel, im Café oder am Bahnhof, teilen sich mehrere fremde Personen dasselbe Netzwerk. Technisch versierte Nutzer könnten in einem schlecht gesicherten Netzwerk unter Umständen mitlesen, welche Daten unterwegs sind.
Ein aktiviertes VPN verschlüsselt die eigene Verbindung in diesem Moment zusätzlich. Wer regelmäßig unterwegs ist und dabei öffentliche Netzwerke nutzt, etwa im Urlaub oder auf Reisen, kann davon durchaus profitieren. Zuhause im eigenen, passwortgeschützten WLAN ist der Zusatznutzen dagegen deutlich kleiner, weil das eigene Netzwerk ohnehin nicht für Fremde offen ist.
Wichtig bleibt trotzdem: Auch im öffentlichen WLAN mit VPN sollten Sie nicht sorglos jede Seite öffnen oder jeden Anhang herunterladen. Grundlegende Vorsicht bleibt bestehen, das VPN kommt lediglich als zusätzliche Schicht hinzu. Wer sein eigenes WLAN zuhause besser absichern möchte, findet dazu Hinweise in unserem Beitrag WLAN sicher nutzen.
VPN und Online-Banking
Beim Online-Banking stößt man häufig auf die Empfehlung, ein VPN zu benutzen. Die Situation ist hier ähnlich wie beim öffentlichen WLAN: Zuhause, im eigenen gesicherten Netzwerk, ist ein VPN für Online-Banking meist nicht notwendig, weil die Verbindung zur Bank ohnehin verschlüsselt aufgebaut wird, erkennbar am Schloss-Symbol im Browser.
Unterwegs, etwa in einem fremden WLAN, kann ein VPN diese zusätzliche Sicherheitsebene sinnvoll ergänzen. Es ist aber kein Ersatz für die grundlegenden Regeln beim Online-Banking, wie ein starkes, einmaliges Passwort, die Zwei-Faktor-Bestätigung und eine geprüfte, offizielle Banking-App. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag Online-Banking sicher nutzen.
Zuhause im eigenen WLAN: Online-Banking funktioniert auch ohne VPN sicher. Unterwegs in einem fremden Netzwerk: Ein VPN kann als zusätzliche Absicherung sinnvoll sein, ersetzt aber keine der üblichen Vorsichtsmaßnahmen.
Kostenlose VPNs – hier lohnt sich Vorsicht
Wer im App Store nach VPN sucht, findet unzählige kostenlose Angebote. Das klingt zunächst verlockend, verdient aber einen zweiten Blick. Ein VPN-Anbieter sieht technisch bedingt, welche Verbindungen über seine Server laufen. Bei einem kostenlosen Dienst stellt sich immer die Frage, wie dieser Anbieter eigentlich Geld verdient, wenn niemand dafür bezahlt.
In manchen Fällen finanzieren sich kostenlose VPN-Apps über die Auswertung oder den Weiterverkauf von Nutzungsdaten, was dem eigentlichen Sinn eines VPN entgegensteht. Es gab in der Vergangenheit auch Fälle, in denen kostenlose VPN-Apps selbst Schadsoftware enthielten oder gravierende Sicherheitslücken aufwiesen.
Wenn Sie ein VPN nutzen möchten, lohnt sich deshalb ein Blick auf bekannte, etablierte Anbieter mit einer nachvollziehbaren Datenschutzerklärung, auch wenn dies meist mit einer geringen monatlichen Gebühr verbunden ist. Kostenlos ist bei diesem Thema selten wirklich kostenlos.
Worauf bei einem VPN-Anbieter achten
- Handelt es sich um einen bekannten, etablierten Anbieter?
- Gibt es eine verständliche, nachvollziehbare Datenschutzerklärung?
- Wird für den Dienst ein angemessener Preis verlangt, statt komplett kostenlos zu sein?
- Gibt es aktuelle, unabhängige Testberichte zu diesem Anbieter?
Brauchen Senioren ein VPN?
Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht, denn es kommt auf die eigenen Gewohnheiten an. Wer hauptsächlich zuhause im eigenen WLAN surft, E-Mails schreibt und ab und zu online einkauft, kommt in aller Regel gut ohne VPN aus. Die wichtigeren Schutzmaßnahmen liegen dann woanders: bei sicheren Passwörtern, regelmäßigen Updates und einem kritischen Blick auf verdächtige Nachrichten.
Anders sieht es aus, wenn Sie häufiger unterwegs sind und dabei öffentliche WLAN-Netze nutzen, etwa auf Reisen, im Zug oder im Hotel. In diesen Situationen kann ein VPN ein sinnvoller zusätzlicher Baustein sein, ohne dass er die anderen Sicherheitsregeln ersetzt.
Frau Berger hat sich nach diesem Abwägen entschieden, vorerst kein VPN zu installieren. Sie surft fast ausschließlich von zuhause aus und hat stattdessen ihre Passwörter überarbeitet und die Zwei-Faktor-Bestätigung für ihre wichtigsten Konten aktiviert. Für ihre gelegentliche Zugfahrt zur Tochter reicht ihr das mobile Datennetz des Smartphones ohnehin oft aus, statt ein fremdes WLAN zu nutzen.
Wenn Sie unterwegs unsicher sind, ob ein WLAN vertrauenswürdig ist, nutzen Sie ersatzweise einfach das mobile Datennetz Ihres Smartphones. Das ist oft die einfachste Lösung, ganz ohne zusätzliche App.
Fazit
Ein VPN ist kein Wundermittel und auch kein Freifahrtschein für sorgloses Surfen. Es kann die Verbindung zwischen Ihrem Gerät und dem Internet zusätzlich verschlüsseln, was vor allem in fremden WLAN-Netzen nützlich ist. Vor Betrugsseiten, gefälschten E-Mails oder unbedachten Klicks schützt es dagegen nicht.
- Ein VPN verschlüsselt die Verbindung, prüft aber keine Inhalte.
- Zuhause im eigenen WLAN ist der Nutzen meist gering, unterwegs kann er größer sein.
- Bei kostenlosen VPN-Apps ist besondere Vorsicht angebracht.
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Häufig gestellte Fragen
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