KI für Senioren

ChatGPT zum Lernen nutzen

Ob ein neuer Begriff, ein Stück Technik oder ein wenig Englisch: Mit ChatGPT können Sie sich Dinge in Ihrem eigenen Tempo erklären lassen, so oft Sie möchten.

📖 Lesezeit: ca. 12 Minuten👤 Friedhelm Deussner
Senior lernt mit ChatGPT am Tablet
Ältere Hände nutzen ChatGPT zum Lernen

Früher hieß es: Wer etwas lernen wollte, ging in die Volkshochschule, kaufte ein Buch oder fragte die Enkelkinder. All das ist weiterhin gut und richtig. Es gibt inzwischen aber noch eine weitere Möglichkeit, die still im Hintergrund wartet, bis Sie sie brauchen: ein Chatbot wie ChatGPT, der Ihnen Dinge erklärt, ohne dass jemand ungeduldig wird oder auf die Uhr schaut.

Das Schöne daran: Sie bestimmen das Tempo. Wenn Sie etwas dreimal fragen müssen, ist das kein Problem. ChatGPT wird nicht müde, wiederholt sich gern und erklärt auf Wunsch auch mit einem ganz anderen Beispiel, falls das erste nicht gepasst hat. Genau darin liegt der eigentliche Vorteil für alle, die lieber in Ruhe verstehen als schnell überfliegen.

Frau Berger etwa wollte schon lange wissen, was eigentlich der Unterschied zwischen „Cloud“ und „Speicherkarte“ ist. In einem Gerätehandbuch stand nur eine knappe Zeile dazu, die ihr nicht weiterhalf. Also hat sie ChatGPT einfach gefragt, sich eine Alltagserklärung geben lassen und danach noch einmal nachgehakt, bis der Groschen gefallen ist.

Wichtiger Grundsatz

Nachfragen ist kein Zeichen von Unwissen. Es ist der schnellste Weg, wirklich etwas zu verstehen.

Was kann ChatGPT beim Lernen?

ChatGPT ist im Grunde ein sehr geduldiger Gesprächspartner, der auf fast jede Frage eine Antwort versucht. Sie tippen (oder sprechen) eine Frage ein, und innerhalb weniger Sekunden erhalten Sie eine Erklärung. Das funktioniert bei Alltagsbegriffen genauso wie bei größeren Themen, etwa Geschichte, Gesundheit oder Technik.

Besonders praktisch: Sie können die Antwort jederzeit anpassen lassen. Passt die erste Erklärung nicht, schreiben Sie einfach „bitte einfacher“ oder „bitte mit einem Beispiel aus dem Alltag“. ChatGPT versucht dann, es noch einmal anders zu formulieren. Diese Möglichkeit gibt es bei einem Buch oder einer Broschur nicht, dort steht der Text fest.

Herr Wagner nutzt das inzwischen regelmäßig, wenn er in der Zeitung ein Wort liest, das er nicht kennt. Statt es zu überlesen, tippt er es kurz in ChatGPT und bekommt eine Erklärung, die er meist in einem Satz versteht. Nach einigen Wochen hat er festgestellt, dass er inzwischen deutlich mehr Artikel wirklich versteht statt nur zu überfliegen.

Wichtig ist trotzdem: ChatGPT ist kein Ersatz für einen Arzt, einen Anwalt oder eine Fachberatung. Bei medizinischen oder rechtlichen Fragen kann es zur ersten Orientierung dienen, eine persönliche Beratung ersetzt es nicht. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag ChatGPT und Gesundheit für Senioren.

Begriffe einfach erklären lassen

Der einfachste Einstieg ist ein einzelner Begriff, den Sie nicht kennen. Sie müssen dabei nichts Kompliziertes formulieren. Ein Wort und die Bitte um eine einfache Erklärung reichen völlig aus.

Schreiben Sie zum Beispiel: „Erkläre mir, was ein Update ist, so einfach wie möglich.“ ChatGPT antwortet dann meist mit ein bis zwei kurzen Absätzen. Wenn das noch zu abstrakt klingt, bitten Sie um einen Vergleich aus dem Alltag, etwa: „Vergleiche das mit etwas, das ich aus dem Haushalt kenne.“

Zum Verständnis

Man kann sich ChatGPT wie ein aufgeschlagenes Lexikon vorstellen, das zusätzlich Rückfragen beantwortet. Ein normales Lexikon liefert nur einen Text. ChatGPT geht so lange auf Ihre Fragen ein, bis der Begriff wirklich sitzt.

Frau Berger hat sich auf diese Weise nach und nach Begriffe wie „WLAN“, „Bluetooth“ und „App“ erklären lassen, jeweils einzeln, an unterschiedlichen Tagen. Sie sagt, dass sie sich dadurch nicht mehr überfordert fühlt, wenn im Familienchat wieder ein neues Wort auftaucht. Wer generell noch am Anfang steht, findet einen guten Einstieg in unserem Beitrag Was ist ChatGPT?

Schritt-für-Schritt lernen

Bei größeren Themen hilft es, ChatGPT ausdrücklich um eine Erklärung in mehreren Schritten zu bitten. Statt alles auf einmal zu lesen, bekommen Sie die Informationen nacheinander, in kleinen, verdaulichen Häppchen.

1
Thema klar benennen

Schreiben Sie möglichst genau, was Sie lernen möchten, zum Beispiel „Ich möchte verstehen, wie eine E-Mail-Adresse aufgebaut ist.“

2
Um Schritte bitten

Fügen Sie hinzu: „Bitte erkläre mir das Schritt für Schritt, mit jeweils nur einem Punkt pro Nachricht.“ So kommt nicht alles auf einmal.

3
Ersten Schritt lesen und verstehen

Nehmen Sie sich Zeit für den ersten Teil der Antwort, bevor Sie weitermachen. Es gibt keinen Grund zur Eile.

4
Rückfrage stellen, falls nötig

Ist etwas unklar geblieben, fragen Sie direkt nach, bevor Sie zum nächsten Schritt übergehen. Das verhindert, dass sich Missverständnisse aufbauen.

5
Nächsten Schritt anfordern

Schreiben Sie einfach „weiter“ oder „nächster Schritt, bitte“, sobald Sie bereit sind.

Diese Methode eignet sich besonders gut für technische Ablaufe, etwa das Einrichten einer neuen App oder das Verstehen eines Behördenschreibens. Wie man Behördenbriefe grundsätzlich besser versteht, zeigt übrigens auch unser Beitrag Behördenbriefe entschlüsseln.

Nachfragen ohne Hemmung

Viele Menschen zögern, eine Frage zweimal zu stellen, aus Sorge, lästig zu wirken. Bei ChatGPT entfällt dieser Gedanke völlig. Es gibt kein Gegenüber, das genervt reagiert, keine Warteschlange und keine Uhrzeit, zu der man besser nicht mehr anrufen sollte.

Sie können dieselbe Frage in unterschiedlichen Worten stellen, so oft Sie wollen. Manchmal hilft schon eine leichte Veränderung der Formulierung, damit die Antwort besser passt. Probieren Sie ruhig verschiedene Varianten aus, etwa „Erkläre es mir wie einem Kind“ oder „Erkläre es mir mit einem Beispiel aus dem Garten“.

Tipp gegen Hürden

Wenn Ihnen eine Frage „zu einfach“ erscheint, stellen Sie sie trotzdem. ChatGPT bewertet keine Fragen und wird nie ungeduldig.

Herr Wagner beschreibt es so: Am Anfang hat er sich noch kurze Notizen gemacht, was er „eigentlich schon längst hätte wissen müssen“. Nach ein paar Wochen war diese Scheu verflogen, weil er gemerkt hat, dass niemand mithört und niemand urteilt.

Übungen und kleine Quizfragen erstellen lassen

Wer ein Thema wirklich festigen möchte, kann ChatGPT auch um kleine Übungen bitten. Das eignet sich besonders gut, wenn Sie ein neues Wort, einen technischen Ablauf oder ein Stück Sprache lernen möchten.

Bitten Sie zum Beispiel um fünf einfache Fragen zu einem Thema, das Sie gerade gelernt haben. ChatGPT stellt die Fragen einzeln oder gesammelt, je nachdem, was Sie wünschen, und geht anschließend auf Ihre Antworten ein. Falls etwas falsch war, erklärt es geduldig, wo der Denkfehler lag, ohne dabei belehrend zu klingen.

Diese kleinen Abfragen helfen vor allem dabei, sich zu merken, was man schon weiß, statt es nur einmal gelesen zu haben und dann wieder zu vergessen. Wiederholung ist beim Lernen bekanntlich wichtiger als die erste Erklärung allein.

„Stelle mir fünf einfache Fragen zum Thema Online-Banking und erkläre danach meine Fehler.“

Fremdwörter und Technikbegriffe verstehen

Gerade im digitalen Alltag begegnen einem ständig neue Begriffe: App, Update, Server, Browser, Cache. Viele dieser Wörter stammen aus dem Englischen und wurden nie richtig erklärt, sie sind einfach irgendwann in den Sprachgebrauch gerutscht.

ChatGPT kann solche Begriffe nicht nur übersetzen, sondern auch einordnen: Wofür wird das Wort im Alltag benutzt, und wann taucht es typischerweise auf? Das hilft mehr als eine reine Wörterbuch-Übersetzung, weil Sie gleich verstehen, in welchem Zusammenhang der Begriff auftaucht.

Ein Beispiel: Statt nur zu erfahren, dass „Cache“ „Zwischenspeicher“ bedeutet, können Sie fragen, warum man den Cache manchmal leeren soll und was dabei passiert. So versteht man nicht nur das Wort, sondern auch, wofür es im Gerät gut ist.

Fakten prüfen: nicht alles ungeprüft übernehmen

So hilfreich ChatGPT beim Lernen auch ist, ein wichtiger Punkt gehört zwingend dazu: Der Chatbot kann sich irren. Gerade bei genauen Zahlen, Jahreszahlen oder speziellen Fachfragen kommt es gelegentlich zu falschen Angaben, die dabei ganz selbstsicher formuliert werden.

Deshalb gilt eine einfache Faustregel: Wichtige Fakten, insbesondere bei Gesundheit, Recht oder Geld, sollten Sie zusätzlich prüfen, etwa über eine seriöse Internetseite oder eine Fachperson. Für das allgemeine Verständnis eines Themas reicht ChatGPT dagegen völlig aus.

Merksatz

ChatGPT erklärt gut, ist aber keine geprüfte Quelle. Bei wichtigen Entscheidungen zählt am Ende die zweite Meinung.

Frau Berger hat das einmal selbst erlebt, als eine Jahreszahl zu einem historischen Ereignis nicht ganz gestimmt hat. Sie hat kurz nachgeschaut und die Antwort korrigiert bekommen, als sie ChatGPT direkt darauf hingewiesen hat. Genau dieses Nachfragen und Gegenprüfen gehört zum sinnvollen Umgang dazu, nicht als Misstrauen, sondern als gesunde Gewohnheit.

Beispiel-Prompts zum Ausprobieren

Manchmal hilft es, ein paar fertige Formulierungen zur Hand zu haben, um überhaupt erst einmal loszulegen. Die folgenden Beispiele können Sie direkt so übernehmen oder nach Ihrem Thema anpassen.

„Erkläre mir den Begriff Cloud so, als wäre ich Anfänger. Bitte mit einem einfachen Alltagsbeispiel.“
„Stelle mir 5 einfache Fragen zum Thema Online-Banking und erkläre danach meine Fehler.“
„Hilf mir, jeden Tag 10 Minuten Englisch zu üben. Bitte beginne mit sehr einfachen Sätzen.“

Wer noch unsicher ist, wie man ChatGPT überhaupt anschreibt, findet eine gute Grundlage in unserem Beitrag ChatGPT im Alltag nutzen. Auch das Nachschlagen von allgemeinem Wissen ist ein guter Einstieg, mehr dazu in Wissen nachschlagen mit ChatGPT.

Checkliste für den Einstieg ins Lernen mit ChatGPT

  • Ein einzelnes, konkretes Thema pro Frage wählen
  • Bei Unklarheit direkt um eine einfachere Erklärung bitten
  • Bei Bedarf um Schritt-für-Schritt-Erklärung oder kleine Quizfragen bitten
  • Wichtige Fakten bei Gesundheit, Recht oder Geld zusätzlich prüfen
  • Sich Zeit lassen, es gibt keine Eile und keinen Druck

Fazit

Lernen hört mit 60 nicht auf, es bekommt mit ChatGPT nur ein neues Hilfsmittel dazu. Statt vor einem unverständlichen Begriff zu resignieren, können Sie einfach nachfragen, so oft Sie möchten, in Ihrem eigenen Tempo und ohne Zeitdruck.

  • ChatGPT erklärt Begriffe, Technik und Alltagsthemen verständlich und passt sich Ihren Rückfragen an.
  • Schritt-für-Schritt-Erklärungen und kleine Übungen helfen dabei, Gelerntes wirklich zu festigen.
  • Wichtige Fakten sollten Sie trotzdem zusätzlich prüfen, besonders bei Gesundheit, Recht und Geld.

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  1. Lesen Sie, wie Sie Wissen mit ChatGPT nachschlagen können.
  2. Erfahren Sie mehr über ChatGPT im Alltag.
  3. Falls Sie noch kein Konto haben: Bei ChatGPT anmelden.

Häufig gestellte Fragen

Kann ChatGPT wie ein Lehrer erklären?
Es kann Themen verständlich erklären und Ihnen Übungen anbieten. Ein persönlicher Lehrer geht dabei allerdings noch stärker auf Sie individuell ein. Wichtige Fakten sollten Sie trotzdem prüfen.
Kann ich mit ChatGPT eine Sprache lernen?
Ja, besonders für einfache Übungen, Wortschatz und kurze Gespräche eignet sich ChatGPT gut. Für eine vollständige Sprachprüfung oder Aussprachetraining gibt es aber spezialisierte Angebote.
Was mache ich, wenn ich die Antwort nicht verstehe?
Schreiben Sie einfach „Bitte noch einfacher erklären“ oder „Bitte mit einem Beispiel“. ChatGPT formuliert die Antwort dann neu.
Kostet das Lernen mit ChatGPT etwas?
Die kostenlose Version reicht für die meisten Lernfragen im Alltag völlig aus. Mehr dazu in unserem Beitrag zum kostenlosen Nutzen von ChatGPT.
Muss ich alles glauben, was ChatGPT antwortet?
Nein. Gerade bei genauen Zahlen, Gesundheits- oder Rechtsfragen lohnt sich eine zusätzliche Prüfung über eine seriöse Quelle.
FD
Friedhelm Deussner Gründer von Digital ab 60

Friedhelm erklärt digitale Themen verständlich und ohne Fachchinesisch, speziell für Menschen ab 60.

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